• Marie Radauer-Plank

"Eine der wenigen Beziehungen Beethovens, die nicht mit einem Zerwürfnis endete."

Updated: May 1

Geigerin Marie Radauer-Plank zum historischen Kontext ihrer Aufnahme Beethovens letzter Violinsonate mit dem Duo Brüggen-Plank

© Guido Werner

Die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Erzherzog Rudolph von Österreich und Ludwig van Beethoven stellt ganz klar eine Ausnahme dar. Nicht nur, weil sie, im Gegensatz zu vielen anderen beruflichen und freundschaftlichen Beziehungen Beethovens, ausnahmsweise nicht mit einem Zerwürfnis endete, sondern auch, weil Erzherzog Rudolph der einzige Kompositionsschüler Beethovens war. Klavierschüler hatte er ja, wie wir wissen, einige. Ich wage zu behaupten, dass diese Freundschaft der beiden nicht nur aus dem Wunsch Beethovens heraus entstand, von der Aristokratie anerkannt und finanziell unterstützt zu werden, sondern er den Erzherzog auch tatsächlich künstlerisch schätzte.

Erzherzog Rudolph muss ein begnadeter Pianist gewesen sein. Zahlreiche der ihm gewidmeten Werke hat er selbst am Klavier uraufgeführt - so auch die auf unserer CD zu hörende Violinsonate op.96 Nr.10. Und auch das sogenannte Erzherzog-Trio, das Klaviertrio op. 97 oder die Sonate op. 81a sind nicht für durchschnittliche Hobbypianisten zu bewältigen.

Marie Radauer-Plank

Als wir das Programm für unsere Aufnahme zusammenstellten und entschieden, Beethovens letzte Violinsonate, die uns schon seit langem beschäftigte, in den Mittelpunkt zu stellen, wollten wir mehr über den Widmungsträger Erzherzog Rudolph und sein Künstlerdasein erfahren. Wir begannen also zu recherchieren und sahen, dass das Werkverzeichnis dieses Mannes gar nicht so klein ist. Neben der Violinsonate existieren beispielsweise auch 40 Variationen für Klavier solo - diese hatte sein Lehrer Beethoven über den grünen Klee gelobt.

Ludwig von Köchel - der Mozarts Köchelverzeichnis eingeführt hat - hat ein kleines Büchlein mit Briefen zwischen Beethoven und Erzherzog Rudolph herausgegeben. Wir erwarteten spannende Briefe, in denen es um die Musik, Interpretationsfragen oder andere künstlerische Belange geht - doch weit gefehlt: Der Inhalt der meisten Briefe besteht aus wechselseitigen Entschuldigungen, weshalb der vereinbarte Unterricht nicht abgehalten könne - wobei man sagen kann, dass Beethoven wohl etwas öfter geschwänzt hat, als der Erzherzog. Die Gründe hierfür sind meistens banal und würden heute ähnlich klingen - mal allgemeines Unwohlsein, mal Husten, mal bekam man keine Droschke (Taxi) ab...

Henrike Brüggen

Ein Brief war für uns jedoch sehr interessant - Beethoven schrieb nämlich: „...so habe ich um der blosen Pünktlichkeit willen mich nicht so sehr mit dem letzten Stücke beeilt, umso mehr, da ich dieses mit mehr Überlegung in Hinsicht des Spiels von Rode schreiben musste, wir haben in unsern Finales gern rauschendere Passagen, doch sagt dies R nicht zu, und - schenirte mich doch etwas - übrigens wird Dienstags alles gut gehn können.“

Er hat also den letzten Satz der Violinsonate nicht so virtuos geschrieben, wie er es eigentlich vorgehabt hatte. Dieses besagte Finale besteht aus 7 Variationen, gefolgt von einer kurzen Coda. Selbst wenn Beethoven meinte, dass Rode nicht mehr ganz so virtuos wie früher sei - einfach auszuführen ist diese Sonate jedoch mitnichten. Im Gegenteil: Da sie eben so einfach und schwebend daherkommt, muss man jede Phrase, jedes legato überdenken und dann so rund, einfach und perfekt als möglich ausführen. Im ersten Satz herrscht ebenfalls Ruhe vor - manchmal entsteht durch die ineinander fassenden Dreiklangzerlegungen fast schon eine impressionistische Stimmung.


Ganz anders hört sich hier Erzherzog Rudolphs Sonate an. Gleich zu Beginn des 1. Satzes zitiert er aus dem Klavierquartett von Mozart und auch im weiteren Verlauf ist dieser Satz eher musikalisch rückwärts gewandt. Der langsame Satz seiner Sonate hat jedoch kuriose harmonische Wendungen und „vor-schubert’sche“ Anklänge.

Jan Vaclav Voříšek hat seine einzige Violinsonate Erzherzog Rudolph gewidmet. Sein Werdegang ist im Gegensatz zu Beethoven nicht ganz klassisch - nach dem Studium der Philosophie und der Mathematik in seiner Heimat Böhmen studierte er Jura und wurde zunächst einmal Hofkriegsrat, bevor er sich ganz und gar der Musik widmete.

Man wollte ihn gerne als Nachfolger Beethovens aufbauen - er selbst hat Beethoven wohl 1814 einmal kurz getroffen - und ließ ihn auch als Dirigenten in den Konzerten der „Gesellschaft der Musikfreunde in Wien“ auftreten. Zu früh verstarb er allerdings an Tuberkulose, als dass man sein gesamtes Potential hätte sehen können.


Betrachtet man die beiden Komponisten Beethoven und Voříšek nebeneinander, kann man meiner Ansicht nach zu dem Schluss kommen, dass für den einen die Musik eine vollkommene Berufung war und für den anderen, sicherlich auch mit Talent ausstaffiert, eher ein Beruf. Nichtsdestotrotz ist Voříšeks Sonate interessant zu hören, nicht zuletzt weil er viele musikalische Dinge neu auslotet und ausprobiert.


Als Duo war es eine interessante Arbeit für uns, das Meisterwerk Beethovens in den Mittelpunkt zu stellen, es aber eben durch seine Zeitgenossen noch einmal in einem anderen Licht zu betrachten und auch den anderen beiden Komponisten eine Chance auf ein berechtigtes "Wieder-Gehörtwerden" zu geben.



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